Nach ausführlichen Praxistests wird schnell klar, warum die Meinungen zum SIRUI Astra so unterschiedlich ausfallen. Wer von altem, vintage-artigem Anamorphoten-Glas kommt, könnte den Astra als etwas zu sauber und modern empfinden. Wer dagegen von sphärischen Objektiven kommt, findet im Astra genau den anamorphotischen Charakter, den man erwartet — Flares, Squeeze und einen unverkennbaren cineastischen Look, nur in einer korrigierteren, zeitgemäßeren Form verpackt.
Der Astra ist ein Vollformat-Autofokus-Anamorphot mit 1,33x-Squeeze und hebt sich vor allem dadurch ab, dass autofokusfähige Anamorphoten am Markt weiterhin selten sind. Im Folgenden ein genauerer Blick darauf, wie sich das Objektiv in der Praxis schlägt.
Wie gut funktioniert der Autofokus des Astra im echten Dreh-Alltag?
Autofokus ist das Hauptmerkmal dieses Objektivs — der wichtigste Grund, warum sich Filmschaffende überhaupt für einen Autofokus-Anamorphot entscheiden würden. Getestet an einer Sony A7S III erwies sich der Autofokus des Astra als praxistauglich und stabil, besonders mit dem neuesten Firmware-Update.
Allerdings ist die Leistung nicht makellos. Bei schwachem Licht und aktiviertem Weitbereichs-Autofokus kam es zu einigen Zögerern und kurzen Aussetzern. Ein Teil davon liegt eher an den Lichtverhältnissen als am Objektiv selbst, ist aber ein nützlicher Hinweis für alle, die in dunklen Umgebungen drehen möchten.

Funktioniert die integrierte Bildstabilisierung tatsächlich mit dem Astra?
Klassischerweise wird eine integrierte Bildstabilisierung (IBIS) bei Anamorphoten nicht empfohlen — außerhalb von Lumix-Kameras führt sie meist zu Verzerrungen und sichtbaren Artefakten. Die aktuelle Astra-Firmware scheint das zu ändern. Bei Handheld-Tests ohne Rig oder Gimbal zeigte das Material weder Verzerrungen noch sichtbare Artefakte — eine spürbare Verbesserung für Handheld-Aufnahmen.
Wie sieht es mit Focus Breathing beim Astra aus?
Ein gewisses Focus Breathing ist beim Astra vorhanden, das ist jedoch für Anamorphoten als Kategorie typisch und keine spezifische Schwäche dieses Modells. Es lässt sich am besten als Teil des gesamten anamorphotischen Gesamtpakets verstehen.
Braucht man einen größeren Monitor für den Astra?
Für Sony-Nutzer gibt es eine wichtige Einschränkung: Kameras wie die FX3 und FX30 können anamorphotisches Material zwar direkt in der Kamera entzerren, deaktivieren dabei aber aktuell den Autofokus des Astra. In der Praxis empfiehlt sich daher die Kontrolle über einen externen Monitor.
Da anamorphotisches Filmmaterial vor der Entzerrung gestaucht und mit schwarzen Balken dargestellt wird, ist auf einem kleinen Display nur ein schmaler Bildstreifen sichtbar. Ein größerer externer Monitor mit 6 oder 7 Zoll macht beim Beurteilen von Schärfe und Bildausschnitt während des Drehs einen echten Unterschied.
Wie sieht der anamorphotische Charakter des Astra tatsächlich aus?
Als 1,33x-Anamorphot liefert der Astra einen dezenteren Squeeze und einen sanfteren anamorphotischen Look im Vergleich zu Objektiven mit stärkerem Verhältnis. Trotzdem bleiben die typischen Merkmale — Flares, Verzeichnung und Squeeze — erhalten, nur in zurückhaltenderer Form.
SIRUI setzt in seiner gesamten Anamorphoten-Reihe konsequent auf kissenförmige Verzeichnung, und der Astra bildet da keine Ausnahme. Gerade Linien am Bildrand — Architekturkanten, Wandpaneele, Zierleisten — zeigen eine leichte Einwölbung nach innen, charakteristisch für die kissenförmige Verzeichnung, das Gegenteil der tonnenförmigen Verzeichnung (Auswölbung nach außen), die bei einigen konkurrierenden Anamorphoten zu finden ist. Keine der beiden Varianten ist objektiv "besser" — die Wahl ist letztlich Geschmackssache und hängt vom gewünschten Look ab. Verzeichnung lässt sich in der Postproduktion jederzeit korrigieren, falls eine Aufnahme zu verzerrt wirkt, auch wenn ein gewisses Maß davon hilft, die anamorphotische Bildsprache erkennbar zu halten.

Auch am Bildrand fällt die Verzeichnung beim Astra minimal aus, was mehr zählt, als es zunächst klingt — da das komplette Vollformat genutzt und nicht auf das klassische anamorphotische Seitenverhältnis zugeschnitten wird, ist die Randleistung besonders bei Schwenks voll sichtbar. Objektive mit ausgeprägtem "Fischglas"-Effekt am Rand können bei Schwenks ablenkend wirken; der Astra hält sich hier gut.
Wie wirken die Flares beim Astra?
Der Astra ist mit klassischen blauen Flares oder einer neutralen Flare-Option erhältlich. Getestet wurde die Version mit blauen Flares, und das Ergebnis wirkt stimmig — nicht übertrieben dramatisch oder streifig, sondern passend zum Gesamtlook des Objektivs statt dagegen zu arbeiten. Wenn es einen Kritikpunkt gibt, dann, dass die Flares eher ins Blaue statt Türkise tendieren, was jedoch eher eine stilistische Randnotiz als ein echter Schwachpunkt ist.
Wie schlägt sich der Astra im Vergleich zum Blazar Talon bei Rendering und Bokeh?
Anamorphotischer Charakter zeigt sich nicht nur in Flares — auch in der Art, wie ein Objektiv Tiefe, Freistellung und Bokeh wiedergibt, macht sich der Look bemerkbar. Der Astra wirkt sauber und modern; ein Großteil der Freistellung entsteht durch die lichtstarke T1.8-Blende und weniger durch starke optische Verzeichnung.
Im direkten Vergleich mit dem Blazar Talon bei gleicher Blendenstufe wird der Unterschied in der optischen Philosophie deutlich. Die zusätzliche optische Verzeichnung des Talon erzeugt die klassischen, länglich-ovalen Bokehbälle, die man mit Vintage-Anamorphoten verbindet. Der Astra dagegen zeigt rundere, neutralere Bokeh-Formen, die erst zum Bildrand hin bei Schwenks eine leichte Elongation erkennen lassen.
Das Fazit: Der Astra ist deutlich korrigierter und moderner im Look als etwa der Talon, das Testmaterial wirkt aber weiterhin cineastisch statt klinisch oder "nachrichtenscharf".

Entspricht die Verarbeitungsqualität dem, was man von einem Cine-Objektiv erwartet?
Ja — der Astra besitzt ein Aluminiumgehäuse und behält Zahnkränze für Blende und Fokus sowie die gesamte Formgebung eines klassischen Cine-Objektivs, obwohl er autofokusfähig ist. Feste Anschläge am Fokusring erlauben den Einsatz mit einem gewöhnlichen Follow-Focus-System, genau wie bei jedem manuellen Cine-Objektiv. Zudem verfügt er über ein 67-mm-Frontfiltergewinde. Insgesamt handelt es sich um ein funktionales, vielseitiges Design, das sich sowohl für autofokusgestütztes Run-and-Gun-Filmen als auch für voll ausgerüstete manuelle Setups eignet.
Ist chromatische Aberration ein Problem beim Astra?
Nicht wirklich. Eine gewisse chromatische Aberration bei offener Blende ist bei Anamorphoten normal und zu erwarten, doch beim Astra bleibt sie minimal, was den sauberen, scharfen und kontrastreichen Gesamteindruck des Objektivs unterstreicht.
Für wen eignet sich der SIRUI Astra wirklich?
Der Astra besetzt eine interessante Nische. Viele Kund:innen und Produktionen können oder wollen keinen starken, offensichtlichen anamorphotischen Look — einem Kunden die Eigenheiten eines Anamorphoten zu erklären, wirkt schnell eher wie eine Physikstunde als ein kreatives Pitch. Genau hier setzt der Astra an: Er funktioniert fast wie ein "Stealth-Anamorphot", der cineastisches Flair und Produktionswert hinzufügt, ohne übermäßig stilisiert zu wirken.
Auch für Anamorphoten-Enthusiasten ist er ein starker Mittelweg für Projekte, die sonst vielleicht mit sphärischem Glas gedreht worden wären, aber einen etwas gehobeneren, moderneren Look verlangen. Der sanftere Charakter des Astra ist keine Einschränkung — er ist der eigentliche Punkt.
配图建议: 9:00–9:56 附近成片示例截图(电影感明显的样片画面),选1-2张最能体现"隐形变形宽银幕"氛围的镜头。
Fazit
Der SIRUI Astra verdient eine klare Empfehlung, insbesondere das 50-mm-Modell, das die beste Startbrennweite für alle ist, die mit nur einem Objektiv beginnen möchten. Anamorphoten-Puristen, die den schweren Vintage-Verzeichnungslook und ovales Bokeh suchen, wird er nicht vollständig zufriedenstellen. Für Filmschaffende, die einen nutzbaren Autofokus, sauberes modernes Rendering und gerade genug anamorphotischen Charakter für mehr Produktionswert suchen, ist er jedoch eine überzeugende Wahl.